
Was macht ein NEIN mit uns? Wie leicht oder schwer fällt es Ihnen NEIN zu sagen? Wie geht es Ihnen, wenn Sie ein NEIN hören und akzeptieren müssen?
Nein-Sagen und Grenzen setzen gehört zweifellos zu den unangenehmen Seiten des Eltern-Daseins! Dazu gehört, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren - und es erfordert Klarheit und Standfestigkeit.
Eine gute Übung ist es, einmal zu überlegen: Was ist mir/uns wichtig? Welche Werte wollen wir unserem Kind vermitteln?
Oft liest und hört man den Ratschlag, so wenig Grenzen und Regeln wie möglich zu setzen bzw. aufzustellen – das ist bestimmt theoretisch richtig!
Bedenkt man jedoch, wie viele Regeln und Grenzen schon bei einer einzigen Mahlzeiten einzuhalten sind – beim Tisch sitzen, ruhig sitzen, mit Besteck essen, warten, bis alle fertig sind, Pommes nur ins Ketchup, nicht aber in Saft oder Nase stecken, … - merkt man schnell, wie schwierig dieser Rat umzusetzen ist.
„Von Kindern kann man ungeheuer viel lernen. Zum Beispiel wie lange es dauert, bis man seine Geduld verliert.“ (Franklin P. Jones)
Viele Mütter und Väter haben Angst, die Liebe ihres Kindes zu verlieren, wenn sie ihm Wünsche verwehren. Doch gerade bei materiellen Wünschen verkraften Kinder ein berechtigtes NEIN gut. Jenseits des Babyalters ist es eine wesentliche Lernerfahrung, dass nicht jedes Bedürfnis sofort und auf der Stelle erfüllt werden kann und dass auch auf die Bedürfnisse der Mitmenschen Rücksicht genommen wird.
Wichtig ist, dass Grenzen und Regeln eingebettet sind in ein liebevolles Miteinander und in verantwortliches Handeln, dass Eltern Werte nicht nur einfordern, sondern auch vorleben. Nicht ok ist es, eigene Ausraster oder willkürliche Machtdemonstrationen mit „Kinder brauchen eben Grenzen“ zu rechtfertigen!
Klassische Falle
Der Inhalt einer Botschaft macht nur 7% aus, ganz wesentlich sind daneben die Stimme und die Körpersprache. Kinder erkennen, ob das NEIN der Eltern ernst gemeint ist oder ob sie es „gefahrlos“ überhören können.
Wenn zum Beispiel das NEIN in eine Frage oder Bitte verwandelt wird: „Glaubst Du nicht auch, dass du schon genug Süßes gegessen hast?“ Nur wenige Kinder werden antworten: „Da hast Du recht, Mama!“ Sinnvoller wäre hier ein bestimmtes:“Ich finde, das waren genug Süßigkeiten für heute – ich möchte, dass du nun aufhörst zu naschen!“
Hilfreich ist es, vor einem NEIN einmal durchzuatmen und sich folgende Fragen zu stellen:
· Ist das NEIN jetzt wirklich notwendig?
· Besteht die Gefahr, dass jemand verletzt wird?
· Besteht die Gefahr, dass etwas irreparabel beschädigt wird?
· Habe ich die Kraft und Zeit, das NEIN auch durchzusetzen?
Denn dass sich ein NEIN unter Einsatz eines Trotz- oder Wutanfalls in ein JA verwandeln lässt, lernen Kinder recht schnell.
Fundamentalopposition
Es gibt eine Phase im Leben der Kleinkinder, in der es für sie kein JA zu geben scheint – Fundamentalopposition ist angesagt! NEIN selbst auf die Frage: „Magst Du ein Eis?“ Diese Zeit ist für Eltern manchmal schwer auszuhalten und nagt mitunter am eigenen Selbstwert. Aber so kann man gut nachfühlen, wie Kinder sich manchmal fühlen, wenn sie zu viele NEINs hören müssen.
Denn manchmal neigen wir Eltern dazu, schon „sicherheitshalber“ jede Frage der Kinder mit Nein zu beantworten – hier noch drei Tipps, um das eine oder andere NEIN zu vermeiden:
· Ja, später! - Wenn wir beispielsweise nicht prinzipiell gegen den angefragten Keks sind, aber halt nicht fünf Minuten vor dem Mittagessen!
· Moment, bitte! – Ein paar Atemzüge lang drüber nachdenken, wie wichtig ist das jetzt? Ist das Nein wirklich notwendig (und hab ich die Kraft, es auch durchzuziehen)?
. Überzeuge mich! - Die Alternative für etwas ältere Kinder, die mit der Sprache umgehen können – das geht übrigens schon recht gut mit Vier- bis Fünfjährigen, einfach ausprobieren! Und – sich von guten Argumenten überzeugen zu lassen, hat nichts mit Nachgeben zu tun!

Dipl. Elternbildnerin, Lebens- und Sozialberaterin mit Schwerpunkt Erziehungsberatung i.A.u.S