
… ist schon in der Schwangerschaft alles anders!
Die erste Schwangerschaft wird bewusst genossen, das Umfeld ist begeistert und schont die werdende Mutter, Mann/Frau geht zum Schwangerenyoga und zur Geburtsvorbereitung, es ist Zeit für ausführliche Ruhestunden auf dem Sofa und für die Zwiesprache mit dem Ungeborenen.
Die zweite Schwangerschaft läuft mehr nebenbei. Nix Schweres heben? Wie denn, wenn der werdende große Bruder gerade partout keinen Schritt mehr gehen will oder sich einem ausführlichen Trotzanfall hingibt.
Schwangerengymnastik? Keine Zeit dazu – schließlich muss ja das erste Kind rechtzeitig vom Kindergarten geholt werden. Verständnis vom Umfeld? „Warum regst Du Dich denn auf, wird schon genauso sein wie beim Ersten?“
Männer scheinen die zweite Schwangerschaft ihrer Partnerinnen auch lockerer zu nehmen – beim Windel wechseln und dem nächtlichen Herumtragen haben sie sich schon als moderne Väter profiliert und haben somit beim zweiten Kind eher etwas zu gewinnen.
Viele Fragen und das schlechte Gewissen
Frauen sind sich da schon eher der Änderungen bewusst, die das Baby im Alltag mitbringen wird und schlagen sich mit vielen Fragen herum: Was mach ich, wenn der Große mir beim Stillen keine Ruhe lässt und ausgerechnet dann aufs Klo muss, wenn ich das Baby gerade angedockt habe? Wie soll das gehen, zwei Kinder und mich selber bei Minusgraden in Stiefel, Jacke, Schal, Haube und Handschuhe zu kriegen? Wie wird denn der/die Große auf das Geschwisterchen reagieren?
In meinen Workshops für „Zweit-Mütter“ werden diese Fragen meist ganz ausführlich diskutiert und viele Frauen sind froh, endlich mal Verständnis dafür zu finden und sich austauschen zu können.
Gleichzeitig erzählen viele Frauen auch von ihrem schlechten Gewissen dem zweiten Kind gegenüber. Es bleibt im Familienalltagstrubel kaum Zeit, sich dem heranwachsenden Baby im Bauch zu widmen oder ihm gar Musik vorzuspielen. Es bekommt ja jetzt schon so viel weniger Aufmerksamkeit als das Große – wie soll das denn werden, wenn es erst einmal auf der Welt ist? Kleiner Trost: Das Baby wird ganz viel Aufmerksamkeit von seinem großen Bruder oder seiner großen Schwester bekommen, da brauchen nicht mehr Sie als Mutter die ganze „Arbeit“ leisten!
Vorbereitung auf die Geburt
Auch ein großes Thema: Das erste Kind auf das Baby vorbereiten! Wann sollen wir es ihm denn überhaupt sagen? Mein Tipp: Je jünger das große Geschwisterchen ist, umso später braucht es von der Schwangerschaft zu erfahren. Neun Monate sind für einen Zweijährigen eine unüberschaubare Zeit!
Als Anschauungsmaterial gibt es hervorragende Kinderbücher für die unterschiedlichen Altersstufen, in denen der Alltag mit einem Baby auch ganz realistisch beschrieben wird. Das finde ich ganz wichtig zu vermitteln, daß das Baby vorerst nicht zum Spielkameraden taugt, sondern viel Aufmerksamkeit und Zeit braucht!
Geben Sie Erklärungen aber nur dann, wenn das Kind fragt und sagen Sie nur so viel, wie es wissen will! Sie können das große Kind aber bereits gut in die Vorbereitungen für das Baby mit einbeziehen – zum Beispiel, wenn Sie die alte Babykleidung sortieren. Oder das Große darf eine Spieluhr für das Baby aussuchen und ihm die Musik auch schon vorspielen!
Zeigen Sie dem Großen die Bilder oder Filme aus seiner eigenen Babyzeit – es sieht so schon frühzeitig, dass es all diese Aufmerksamkeit auch bekommen hat! Natürlich schützen all diese Maßnahmen nicht hundertprozentig vor Eifersucht – im Gegenteil, gerade gut und umfassend vorbereitete Kinder reagieren in der ersten Zeit sogar eher eifersüchtig, weil sie sich der Tragweite des Ereignisses bewusst sind!
Die Geburt selbst
Auch hier wird’s ein Stück schwieriger – schließlich kann man ja nicht einfach ins Spital fahren, wenn die Geburt losgeht! Rechtzeitig vorsorgen, so dass mehrere Möglichkeiten bestehen, wo das Große untergebracht werden kann. Denn das ist genau der Moment, wo dann jemandes Handy nicht geht oder sonstige unvorhersehbare Dinge passieren.
Am besten ist wohl, wenn der Alltag des großen Kindes so weit wie möglich „normal“ weitergeht – Kindergarten, Essenszeiten oder auch Rituale beim Schlafengehen sollten von der Betreuungsperson weitergeführt werden.
Beim ersten Besuch im Krankenhaus wirken Mama und Baby im Doppelpack für manche Kinder stark überfordernd. Vielleicht können Sie es so einrichten, dass das Große erst einmal seine Mama allein sehen kann und dann erst das Baby – es vielleicht sogar mit dem Papa aus dem Kinderzimmer holen kann! Das Kind fühlt, dass es der neuen Situation nicht ausgeliefert ist, sondern selbst mitgestalten kann.
Der neue Alltag
Bis sich alles eingespielt hat und jeder in der Familie seinen neuen Platz gefunden hat, kann es bis zu einem Jahr dauern - geben Sie sich also Zeit, Sie schaffen das bestimmt!
Artikel geschrieben von:
Dipl. Elternbildnerin
Lebens- und Sozialberaterin mit Schwerpunkt Erziehungsberatung i.A.u.S.
www.abenteuer-erziehung.at